Ja, tief beschämt muss ich zugeben, dass ich als gestandener IT-Man Unix (oder Linux) nie näher kennen gelernt habe. Als ich das Programmieren kennen gelernt habe, spielte Unix keine sehr große Rolle (ich sage nur "Lochkarten", "BS 2000" ...) und in der Zeit meiner ersten beruflichen Schritte habe ich mich ausschließlich auf PC und Mac konzentriert - und danach war ich "Manager", der für so was seine Leute hat. Seufz!
Im Rahmen meines persönlichen Forbildungsprogramms (siehe auch hier) habe ich deshalb beschlossen, auch einmal ein Linux aufzusetzen (auch ganz sinnvoll für eine paar Experimente, die ich im Kontext XML, XSLST und Webservices plane), um diese Lücke ein wenig zu füllen.
Ich muss sagen, dass ich mir das etwas einfacher vorgestellt hatte!
Das ist - je nach konkreten Umständen - trotz aller gegenteiligen Berichte in der populären Fachpresse scheinbar immer noch nix, was man seinem 65jährigen Schwiegervater empfehlen sollte - ausser, man ist ihm in innigem Hass vebunden.
Ausgangspunkt war ein neues Laptop (Toshiba M200; siehe auch hier) mit vorinstalliertem System. Und damit begannen die Probleme.
Denn erstens ist natürlich die Platte vollständig für Windows formatiert. Zweitens verfügt das Gerät über kein integriertes CD-Laufwerk. Letzteres ist sowohl für die Linux-Installation ausgesprochen unschön - weil die heutzutage fast immer mit einem Systemstart von CD beginnt. Weiterhin ist ohne bootfähiges CD-Laufwerk auch die Wiederherstellung des Laptops von den Recovery-CDs schwierig (unmöglich?). Und Letzteres möchte ich bei der Installation eines weiteren Betriebssystems schon einmal einplanen, alter Pessimist, der ich geworden bin.
Leider weigert sich das Ding, von meinen PC-Card- und USB-Laufwerken zu booten. Und da ich nicht wirklich vorhabe, nur für diesen Zweck bei Toshiba ein DVD/CD-Laufwerk für 388 EUR zu erstehen ("Laufwerk" read-only, kein Multiformat-Brenner!) müssen Boot-Disketten her. Disketten? Ja, die gibt's noch. Allerdings zu Preisen, die das bisschen Plastik wirklich in den Status von seltenen Sammlerstücken erheben.
Na ja, auf jeden Fall gelang es mir nach einigen Recherchen mit Google, einen Satz brauchbare Boot-Disketten für die Linux-Installation zu erstellen. Für die Wiederherstellung des Toshibas habe ich heute (nach einer Woche) immer noch keine - dafür schon diverse Euronen bei Toshibas kostenpflichtiger Hotline vertelefoniert. Der Support per E-Mail (kostenlos) besteht klugerweise in vordefinierten, wohlformulierten aber leider unutreffenden Antworten aus dem Baukasten.
Trotzdem wollte ich das Wagnis angehen, Linux auch ohne Recovery-Möglichkeit aufzuspielen. Aber ... Denkste! Nach einem Boot-Prozess, der sich über sage und schreibe eine Vierteilstunde hingezogen hat, teilt mir das Installationstool (YaST) mit, dass auf meiner Platte kein Raum mehr für die Linux-Partitionen ist. Angeblich sollte bei SuSE zwar ein Tool dabei sein, das NTFS-Partitionen resizen kann, YaST wusste davon nix.
Ok, spätestens jetzt war der Zeitpunkt gekommen, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kollege -Tfs, alter Linux-Hase, musste ran. Nach einigen Stunden hatten wir weitere Boot-Disketten erstellt, auf denen ein Resize-Tool enthalten war.
Es stellte sich allerdings heraus, dass das Resizen mit diesem Tool unter anderem aus dem Löschen und Wiedereinrichten der Windows-Partition bestanden hätte - wobei ein Datenverlust unwahrscheinlich sei. Das war mir dann aber zu riskant. (Ja, ich bin ein Hosenschisser.) Also schnell noch für rund 80 EUR ein PartitionMagic aus dem Internet gekauft.
Der Tag neigte sich schon dem Ende entgegen, und -Tfs wollte zur Familie, da lief die SuSE-Installation wieder an. Leider brachen wir sie dann versehentlich ab. Panik! Würde der Laptop überhaupt wieder booten? Ja, er tut es noch und wirft mich ins XP.
Nach dem Abendmahl im Kreise der Lieben dann ein neuer Versuch. Wobei ein Aufruf von PartitionMagic zunächst einmal ergibt, dass eine Partition von einigen TeraByte Größe auf meiner Platte vorhanden ist, die er nicht mehr bearbeiten kann. Terabyte-Partition auf einer 60Gig-Festplatte?
Also in der Festplattenverwaltung von XP erst einmal die neuen Partitionen entfernt, chkdsk über die beiden alten laufen lassen und noch einmal den viertelstündigen Bootprozess von Diskette angeworfen. Diesmal läuft der durch und kaum 1,5 Stunden später habe ich eine funktionstüchtige Linux-Installation auf dem Toshiba - ohne Netzwerk allerdings, weil die WLAN-Karte nicht in Betrieb genommen werden kann und ich oben in meinem Arbeitszimmer kein Ethernet liegen habe. Seufzt. Na, ja, für ein paar Expermente wird es reichen.
Aber ach, oh Schreck, das Ding bootet jetzt nur noch nach Linux. Beim Einschalten ist Windows nicht einmal mehr eine Option. Coole Installation. Wenn das von Microsoft so vorgenommen würde, hätte ich mich kaum gewundert. Aber eine Linux-Installation, die wortlos den Rechner übernimmt? Na ja, halt morgen früh mal "den Experten" anrufen...
Tatsächlich gelang es mir dann noch vor dem Frühstück, auch ohne Expertenhilfe mit ein bisschen Recherche in dem visuellen YaST auf der Linux-Oberfläche den Boot-Manager zu finden und eine Option für den Start nach Windows zu aktivieren. Puuh! Das geht also noch.
Ein Start von PartitionMagic ergibt allerdings, dass die Partitionstabelle in einem Zustand ist, dass das Tool wieder einmal die Arbeitsaufnahme verweigert und diverse Korrekturen vornehmen will. Das lassen wir jetzt mal lieber ...
Ich stehe jetzt vor einem Laptop:
- dessen Platte wie geplant partitioniert ist
- der unter WinXP startet
- den ich auch nach Linux booten kann
aber
- dessen Partitionstabelle so in der Wurst ist, dass Partition Magic nicht einmal mehr startet
- dessen Linux-Installation keine Verbindung zum Internet hat
Gehen tut's. Aber ein wirklich gutes Gefühl habe ich - nach wie vor ohne Recovery-Möglichkeit - dabei nicht!
Aller Anfang ist schwer, IMHO ist dafür eventuell RedHat oder Mandrake eher geeignet als gerade Suse.
Posted by: Kossatsch | Tuesday, 25 May 2004 at 08:43
ob nun SUSE oder RedHat ist absolute persönliche Geschmackssache, allerings hast du dir mit der Installation auf einem Notebook die Latte extrem hoch gelegt. Auf einem Standard-Desktop-Rechner ist die Installation in der Regel wesentlich schneller und auch einfacher ...
Posted by: romulus | Thursday, 27 May 2004 at 22:18