Habe mich letzte Woche mal etwas ausgiebiger bei einem Glas O-Saft mit Heiko unterhalten und bin - als bekennender Google-Watcher - natürlich auch bei Spekulationen über dieses Thema/diese Firma gelandet. Da kam die Frage auf: was wird wohl der nächste Service sein, den Google anbietet? Bislang ist es der Firma ja erfolgreich gelungen, den Markt stets zu überraschen. (BTW: Überraschung ist seit mehreren Tausend Jahren ein wichtiges Attribut erfolgreicher Strategien).
Meine Antwort: Ein Dokumentenmanagement/Archiv-System im Web für all die Word- Powerpoint-, Excel- und anderen Dokumente, die jetzt noch auf den lokalen Festplatten der PCs liegen.
Warum ich das glaube? Mal sehen ...
Für diese Prognose muss man sich eigentlich nur genauer ansehen, was das gemeinsame Interesse hinter den bisherigen Diensten, die Google auf den Markt geworfen hat, ist. Heiko meinte: Anzeigen verkaufen! Da hat er sicherlich nicht unrecht. Ich würde aber sagen:
Google will wissen, was die Leute denken, lesen, kaufen, machen, wie sie leben, welche Meinung sie über Firmen, Produkte, Unterhaltungsangebote, andere Leute, allgemeine Themen etc. haben.Wenn man das weiß, kann man ihnen sehr erfolgversprechend Anzeigen vor die Nase halten (Targeting nennt sich das). Und vielleicht kann man diese Erkenntnisse auch an Andere verkaufen.
- Da auch Google immer noch nicht über die Technologie verfügt, Gedanken zu lesen - aber excellent darin ist, gewaltige Rechenleistungen zur Datenanalyse an den Start zu bringen (siehe Wieso Google keine Suchmaschinen-Company ist und Mehr Google Bashing ...) - nahm man sich als erstes die vorhandenen Seiten im Web vor. Ist am einfachsten, weil öffentlich zugänglich. So entstand eine Suchmaschine, DIE Suchmaschine.
- Noch einfacher kommt man natürlich an die Daten von Webseiten heran, wenn man sie bei Entstehung noch vor der Publikation analysieren kann. In Kürze werden die meisten Seiten im Web auf Weblogs stehen. Also? ... kaufte Google Pyra Labs, die Entwickler der erfolgreichsten Blogging-Plattform in den USA.
- Noch mehr interessante Daten über die Menschen sind der direkten Kommunikation mit anderen Menschen zu entnehmen - zum Beispiel der E-Mail-Kommunikation. Die ist aber eher privat und vertraulich. Wie kann man da legal drankommen? Mit einem E-Mail-Service natürlich. So wurde GMail geboren, sicherlich einer der besten E-Mail-Services im Web.
Gegenfrage: "Wo liegen weitere Informationen über die besagten Fagen (was die Leute denken, lesen, kaufen, machen, wie sie leben, welche Meinung sie über Firmen, Produkte, etc. haben), die bislang Google nicht zugänglich sind?"
Antwort: "Auf den Festplatten der PC-Anwender, in Dateien/Dokumenten aller Art."
Ergo wird Google sehen, wie man die Leute dazu bringt, diese Dateien der Google-Software zugänglich zu machen. Zum Beispiel mit einem kostenlosen Dokumentenarchiv im Web. Übrigens: zu diesen Dokumenten gehören gerade im privaten Umfeld selbstverständlich auch Fotos. Wie hieß doch gleich die Firma, die Google kürzlich erworben hat. Ach ja, Picasa, Hersteller eines Programms zur Verwaltung des privaten Bildarchivs ...
Manueller Trackback:
Ich bezweifle, dass die Motivation die Verknüpfung der Daten ist, und spekuliere eher auf Diversifizierung zwecks Stärkung der Marke. Dein Vorschlag zum Coup könnte allerdings gut zur bereits angekündigten Desktopsuche passen...
http://www.sencer.de/article/408/google-quo-vadis
Posted by: Sencer | Monday, 09 August 2004 at 12:15