Letzte Woche ging es durch verschiedene Publikationen, Zitat Reuters: "Microsoft Corp. , which is challenging market leader Google Inc. in the online search market, demonstrated for the first time a search engine that looks for information on computer hard drives as well as information on the Web." Oder heute bei der FTD: "Microsoft arbeitet mit Hochdruck an seiner Internet-Suchtechnologie, mit der das Unternehmen Marktführer Google endlich einholen will." Sicherlich spannend (ich hätte gerne auch eine bessere lokale Suche als die bisherige - schlechte und langsame - unter Windows XP) aber nicht wirklich entscheidend.
Viele sehen hier zwar den "Kampf der Titanen". Microsoft will endlich eine Suchmaschine vorstellen, die lokal und im Web Google das Wasser reichen kann. Und im Gegenzug hat Google angekündigt, zusätzlich zur marktführenden Technologie im Internet eine lokale Suchtechnologie für Windows herauszubringen. Das mit dem Kampf der Titanen sehe ich tatsächlich auch so. Nur wird "Suchmaschine" nicht das Schlechtfeld sein, auf dem dieser Kampf entschieden wird.
Google wahre Stärken sind
- die einzigartige Fähigkeit, mit Horden von Rechnern preiswertester Konstruktion gewaltige Rechenleistungen an den Start zu bringen
- gewaltige Mengen von Daten zu durchforsten und daraus durch Verknüpfung sinnvolle Informationen zu extrahieren (implizite Metadaten)
- webbasierte Applikationen zu erstellen, die es mit lokaler Software aufnehmen kann (und auf nahezu jedem Rechner laufen und kostenfrei sind)
Google ist keine Suchmschinen-Firma. Und deswegen greift Microsoft - bislang - nicht auf dem richtigen Schlachtfeld an. Zugegebenermaßen ist diese erste Schlacht aber sicher auch nicht irrelevant, solange die Suchmachine Google's einzige Cache Cow ist. Mal schau'n, wer schneller ist ...
Wenn Googles Vorteil der ist, dass die Firma eine gute Webapplikation in der Tasche hat, ist der Vorteil von Microsoft der, daß ihr der Desktop gehört.
Wenn es MS tatsächlich schafft, eine integrierte Datei- und Websuche so in die Benutzerobfläche von Windows zu integrieren, daß ein Nutzer nicht mehr "gezwungen" wird, einen Browser zu öffnen und auf Googles Startseite zu gehen, hat MS mittelfristig (wieder einmal) gewonnen.
Posted by: Heiko Hebig | Monday, 02 August 2004 at 14:55
@Heiko: Google hat IMHO nicht "eine gute Webapplikation in der Tasche" sondern hat die Technologie für eine ganze Klasse von webbasierten Applikationen in der Tasche, sowohl vom Frontend her als auch vom Backend. Es gibt, glaube ich, wirklich kein Unternehmen in der Welt, dass die Clustering-Technologie für diesen Applikationstyp (im Prinzip SIMD mit relativ leichtem Kommunikationsaufwand zwischen den Datenströmen) so gut beherrscht, wie Google. Siehe http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/05/mehr_google_bas.html Das ist nicht auf Google-Suche beschränkt. Gmail ist Klasse, Blogger.com sehr gut (und beliebt), Orkut hat schon eine Riesen-Membership, Picasa wurde gerade gekauft, und ??? ... mal schauen. Ich denke, man wird mehr Anwendungen webbasiert machen können, als wir heute vielleicht glaube.
Und das Prinzip der webbasierten Applikation ist grundsätzlich eine gefährliche Attacke auf das Microsoft-Monopol. Siehe http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/06/webbasierte_sof.html und http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/05/google_vs_micro.html. Webbasierte Applikationen kommen in einigen Anwendungsbereichen (nicht Word und nicht Photoshop) inzwischen ganz gut an Desktop-Applikationen heran (siehe http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/07/gmail_als_beisp.html) und Gmail kauft massiv weiter entsprechende Kompetenzen am Markt zusammen (Adam Bosworth; Mastermind hinter dem Alchemy-Konzept von BEA arbeitet jetzt bei Google). Und das Monopol ist die wichtigste Säule des Microsoft-Business-Modells (wie, außer in einem Monopol kann ich über 30% Rohgewinn auf den Umsatz machen?)
Ich denke deshalb nicht, dass Microsoft gewinnen wird, bloß, weil sie jetzt eine ordentliche Suchmaschine herausbringen. Ein Problem für Google könnte höchsten werden, wenn Microsoft "sehr schnell" eine in Windows integrierte Suchmaschine auf dem Markt bringt, die zumindest fast so gut ist, wie Google. Das würde Google Anzeigenumsätze kosten und damit das Geld für die anderen Projekte, die zur Gesamtstrategie gehören.
Posted by: Markus Breuer | Monday, 02 August 2004 at 18:49