Wieso Weblogs aussehen wie sie aussehen
Relativ einförmig sehen sie aus - manchmal erschreckend einförmig, finde ich. Über die Gründe hat sich Oliver Wagner ein paar Gedanken gemacht und akribisch die typischen Standardformen dokumentiert: Warum sehen alle Blogs so aus? Er antwortet:
Im Prinzip kann es dafür nur zwei Gründe geben, die auf den ersten Blick einleuchtend sind. Zum einen weil die Usability richtig gut ist, da User an die Funktionen und deren Platzierungen gewöhnt sind und schnell, gut und sicher mit einer neuen Seite, die dem bekannten Muster folgt, umgehen können. Das wäre ideal und ein Argument dafür, dass Blogs eine Form gefunden haben, die man nur dezent und eher evolutionär verändern sollte. Zweite Variante: Weil die Blogging Tools es so vorgeben.Oliver hat sicherlich recht. Beide Gründe tragen zum sichtbaren Ergebnis bei, der zweite aber mehr als der erste: Die heutigen Blogging-Tools sind aus den Anwendungsmustern der allerersten Weblogs (die hießen nicht mal so) Ende der 90er Jahre entstanden. Und sie geben diese Anwendungsmuster massivst vor. Sein Weblogs "anders" zu gestalten ist für die allerwenigsten Blogger möglich. Dazu müßten sie in die Tiefen der Template-Programmierung vordringen.
Das ist nichts ungewöhnliches für Software und in anderen Lebensbereichen auch nicht: Menschen formen durch ihre (An-)Gewohnheiten die Pfade die sie gehen und die Werkzeuge die sie nutzen. Danach formen die Pfade die Wege, die wir gehen und die Werkzeuge, das was wir mit ihnen tun. Siehe auch Patterns, Emergence, Blogging and The Timeless Way of Building.
Ist das Ergebnis so toll oder so "usable"? Nein! Na ja, schlecht ist es sicherlich nicht. Und wer schon einmal ein Weblog gesehen hat, kann das nächste sicherlich gleich "verstehen". Viele weblog-unerfahrene Leser finden Weblogs tatsächlich aber nicht besonders übersichtlich. Sie würden auch kaum jemals auf den Gedanken kommen, etwas anderes zu lesen, als das, was gerade eben jetzt ganz oben auf der Homepage steht. Das stellt keine gewaltigen Anforderungen an die Usability. OK, Lesen muss man können. Blogs, die sich selbst vorlesen, wären noch mehr "usable". Ansonsten sind Weblogs für jeden, der mehr damit machen will als täglich kurze Schnippsel online stellen, die morgen schon irrelevant sind, erbärmlich unzureichend.
Olivers Weblog (bzw. das seiner Agentur Augenmerk ist ein gutes Beispiel dafür. Hier hat er selbst speziell die Einstiegsseite gegenüber den etablierten Standards deutlich anders gestaltet. Und das ist ihm sehr gut gelungen.
Nö, ich habe nix gegen die jetzigen Blogging-Tools. Sind ganz nett. Aber das Wordpress, Moveable Type, Blogger, Blogg.de, TypePad, 20six, Twoday etc. der Endpunkt des personal Webpublishing oder der Gipfel der Ergonomie für den Anwendungsfall Weblog bleiben werden, will ich echt nicht hoffen. (Ich denke, diese Tools entsprechen mehr Wordstar oder Wordperfect von Anfang der 80er.) Ein paar zusätzliche Anwendungsmuster, die auch Otto-Normalblogger zur Verfügung stehen, hätte ich schon ganz gerne...
Siehe auch Weblogs Generation 2: Wofür RSS-Feed wirklich gut sind.
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