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Friday, 12 November 2004

bloggen ist der monolog des entfremdeten menschen der niemand mehr hat

Ich finde es schön, dass endlich mal einer den Mut hatte, dass auszusprechen. Kommentar von "sum1" bei Moe:

hätte man sich in grauer vorzeit noch innerhalb des freundeskreises, der großfamilie oder der nachbarschaft ausgetauscht, tat man das später virtuell in der mailingliste oder dem forum [...] aber man sprach quasi noch mit anderen. nun spricht man aber in unendliche weiten und geht davon aus von irgendwem gehört zu werden. das ist so als würde man mit der wand reden und hoffen der nachbar möge was davon verstehen oder die ehefrau im nebenzimmer.

kurzum, bloggen ist ein letztes refugium der versiegenden zwischenmenschlichen kommunikation. es bewahrt einen abglanz von dem was es gleichzeitig zerstört.

bloggen ist der monolog des entfremdeten menschen der niemand mehr hat um seine interessen zu teilen.

Und jetzt, wo das klar ist, traue auch mich, es mal zu sagen:

Ich finde Telefone unmöglich und weigere mich, eins zu benutzen. Ich finde, das entfremdet einen total von seinen Mitmenschen. Und wie soll ich die Worte eines Menschen beurteilen, wenn ich seine Mimik nicht sehe, seinen Händedruck nicht fühlen und nicht einmal feststellen kann, ob er sich rasiert hat. Für mich ist das alles viel zu kalt und unmenschlich.

Ich denke auch diese "Bücher" werden sich nicht durchsetzen. Es mag ja den einen anderen unter den "Autoren" geben, denen das Schreiben eine perverse Befriedigung verschafft. Aber mal ehrlich: haben diese bedauernswerten Menschen, denn keine Freunde, keine Enkelkinder, keine Frauen, denen sie ihre Geschichten erzählen können?

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Comments

Ich kenne z.B. viele Menschen, die finden bloggen im Familienkreis viel persönlicher als die jährliche Email zu Weihnachten. Aber vielleicht ist mein Bekanntenkreis auch... vorbelastet?

mehr noch: die entwicklung der schrift vor ein paar tausend jahren war ausdruck der zunehmenden entmenschlichung des menschen. anstatt miteinander zu kommunizieren, kommuniziert man mit menschen in entfernten gegenden und nachfolgenden jahrhunderten. in ein paar jahren sitzen wir alle alleine (bloggend) in unseren panic rooms und lassen uns von robotern bedienen.

fakt ist auch ... nee, noch mal zurück an den start. also: meine meinung ist, das es

#1 kulturen (bzw. subkulturen) gibt, in denen es die menschen mit stolz erfüllt, der/die erste zu sein, der/die etwas "neues" macht. das neue ist per se erst einmal "gut".

#2 kulturen (bzw. subkulturen) gibt, in denen es die menschen mit stolz erfüllt, zu den letzten zu gehören, die etwas nach alter väter sitte tun. das neue ist per se erst einmal "schlecht" und überflüssig.

ich denke nicht, dass eine dieser einstellungen prinzipiell "richtig" ist. das optimum liegt vermutlich eher irgendwo in der mitte. in einer sich ändernden umwelt mag die/derjenige, die/der kein widerstreben verspürt, etwas neu oder anders zu machen (kulturgruppe #1) jedoch evolutionstechnisch vorteile haben.

die anderen sterben eben in würde aus.

Schon der arme Platon mußte sich mit den Entfremdungsvorwürfen der Schriftkulturgegner auseinander setzen. Als einzig zulässige Formen der authentischen Kommunikation bleiben wohl nur das Kämpfen, das gemeinsame Bären-Erlegen und der Geschlechtsverkehr :).

Oh oui, la solitude ... Moe 'aben viiiiel Weltschmerz, n'est-ce pas?

die letzten werden die ersten sein!

sum1 würde auf jeden fall niemals einen weblog führen!

siehe auch hier: sum1.onreact.com

und noch eine zwischenfrage, mit wievielen nachbarn haben sie darüber geredet?

vielleicht sollte man auch mal an die Opfer denken.
Die Opfer von Monologen meine ich, z. Bsp. die Freundin, die eigentlich nicht so unbedingt den Vortrag über die Vorteile von Softwarelösung A gegenüber B hören wollte, aber aus Versehen gefragt hat wie es heute so war.
Ist doch schön, wenn das Bedürfnis nach Monolog im Netz abgeladen werden kann und dafür ein paar Dialoge ne Chance bekommen.

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