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Wednesday, 08 December 2004

IBM verkauft PC-Fertigung nach China - konsequent und weitsichtig!

Ibm_1Seit gestern ist es offiziell: IBM verkauft seine PC-Fertigung an den größten chinesischen PC-Hersteller Lenovo. (Ausführlicher Artikel zum Thema bei c|net news.com.) Es gibt natürlich Menschen, die das als nochmaligen Beleg eines erschreckenden Turbo-Kapitalismus halten und beweinen, dass auf den ThinkPads bald nicht mehr IBM steht. (Gefertigt werden die eh schon länger in Südostasien.) Ich persönlich sehe das eher als Beleg dafür, dass IBM sich seiner wirklichen Kernkompetenzen bewußt ist, und aufgrund dieser Erkenntnis konsequent auch schwierige Entscheidungen trifft. Mit Globalisierung und Arbeitsplatzverlagerung hat das auch - aber wenig - zu tun.

IBM ist - was viele dem IT-Giganten nicht abnehmen wollen - ein Unternehmen, in dem Innovation und Forschung (nicht allein die "Entwicklung" aus F&E) eine große Rolle spielen. Das gehört quasi zum genetischen Code des Unternehmens. Diese nach wie vor bestehende Stärke des Unternehmens ist leider nichts, was im aktuellen PC-Markt eine große Rolle spielt. Hier zählen nur noch Fertigungseffizienz, Größe und perfektes Supply-Chain-Management. Ein "Commodity-Markt" eben. Das kann IBM auch ganz gut - ist aber kein Kernbestandteil der Unternehmens-DNA. Natürlich hätte IBM das PC-Geschäft noch eine Zeitlang "mitnehmen" können. Auf lange Sicht wäre man aber immer weniger erfolgreich gewesen (die Eigenschaften passen nicht mehr zum Biotop; andere - Dell - sind da besser angepaßt). So aber, mit diesem Verkauf, sind Energien frei, die IBM auf zukunftsträchtige Aktivitäten lenken kann - die zum eigenen genetischen Code passen.

Um mich mal selbst zu zitieren:

Nur Unternehmen, die sich beständig neu erfinden und (fast) alles in Frage stellen, womit sie gestern noch Geld gemacht haben, können dauerhaft bestehen. Es gibt keinen zuverlässigeren Weg in die Pleite, als sich auf den heutigen Erfolgen auszuruhen (siehe KarstadtQuelle und das Beharren der Dinosaurier).

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» IBM und Lenovo haben eine langfristige Allinanz vereinbart from jimmiz journal

IBM konzentriert sich mehr auf seine Sparten Services, Software und Server. Heute hat IBM folgende Erklärung zum Verkauf ihrer PC und Notebooksparte per Mail an ihre Partner abgegeben: Ich möchte Sie hiermit über eine entscheidende Entwicklung... [Read More]

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Comments

Ich glaube eher, es sind die Chinesen, die sich da neu definiert haben. Von wegen verlängerte Werkbank und so ... das war gestern. Nicht nur, daß sie so ein Geschäft durchaus mit Gewinn berteiben können, sie werden in der Zukunft auch bei neuen Technologien und Standards ein erhebliches Wort mitreden.

Für IBM war das IMO ein eher indifferenter Deal, für die Chinesen aber ist das ein Sahneschnittchen. Und ein gewaltiger Hebel.

Schaun 'mer mal.

@wolfgang: ich habe auch nicht behauptet, dass sich IBM "neu definiert" hat sondern sich treu geblieben ist. analysen dazu bei
heise:http://www.heise.de/newsticker/meldung/54052
FTD: http://www.ftd.de/tm/it/1102146520839.html?nv=cd-rss

und wie oben schon gesagt, bei
c|net: http://news.com.com/IBM%20sells%20PC%20group%20to%20Lenovo/2100-1042_3-5482284.html?tag=st_lh

auf der volkswirtschaftlich/strategischen ebene hat es dana blakenhorn (http://www.corante.com/mooreslore/archives/031431.html) gut zusammengefasst::

>> It's a sign of the times that Chinese firms are now doing
>> what Japanese and Koreans did 20 years ago, buying
>> U.S. assets to get a foothold in the mainstream market.
>> [...] IBM will now concentrate on things that aren't
>> commodities, like servers, services, big iron and
>> Linux, areas where it can earn a high mark-up on
>> its employees' time.

er hat seine ansichten dazu übrigens seit einigen wochen auch als romancier zu blog gebracht. manchmal etwas überdehnt, aber nett lesbar: http://www.corante.com/mooreslore/archives/031357.html

ja, natürlich ist das, wenns klappt, auch für lenovo ein guter deal. sonst macht man ja auch keine deals.

Meiner bescheidenen Meinung nach ist der Deal für die Chinesen klasse (wegen der neuen Märkte, dem "Mainstream" und wegen der von Wolfgang gut formulierten Neudefinition nicht über Billigproduktion, sondern über High-Tech-Entwicklung und Markennamen) und für IBM ein herber Verlust. Warum? Nun, kaufmännisch haben sie wohl nicht viel verloren. Ob sie das Geld gebrauchen können? Schaun mer mal. - Aber man wundert sich manchmal, wie hohl die in der kapitalistischen Welt gedroschenen Phrasen noch werden können: Was soll das Gerede über "Kernkompetenzen"? Very funny in einem globalen Über-Konzern! Natürlich ist es meistenteils egal, ob man die Rechner, die man als Dienstleistungsunternehmen irgendwo installiert, hinzugekauft oder in eigener Verantwortung hergestellt werden. Aber dann gibt es - zumindest bei kreativen Unternehmen (siehe Dein Artikel zu Kreativitätsbremsen: http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/12/was_kreativitt_.html) - eben doch Gelegenheiten, in denen es sich auszahlen könnte, mehr Einfluss auf die Produktion von den Dingern zu haben. Siehe Microsoft! Zugegeben: Ich bin nicht im Bilde, wie sehr sich für Microsoft die Hardware-Produktion (mit Mäusen, Joysticks, Tastaturen mit der Windows-Taste und schließlich der X-BOX) lohnt, aber die Winzigweichen sind definitiv den anderen Weg gegangen und haben nicht auf ihre "Kernkompetenzen" besonnen, sondern sie zukunftsträchtig erweitert. Ich selbst hätte als IBM-Consultant (für ein IBM mit Hardwareproduktion!) sogar zur Übernahme einer Bäckereikette geraten. Nicht unbedingt wegen neuer Kernkompetenzen ;-), aber dann hätte man Hamburger-Brötchen nicht mehr als Hamburger-Brötchen, sondern als ThinkPaddies mit eingebackenem IBM-Logo verkaufen können!

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