Die Nachricht ist schon nicht mehr ganz frisch (ich bin aktuell nicht mehr immer so ganz "am Puls der Zeit") aber ich musste gestern Abend trotzdem noch einmal darüber nachdenken: die Firma Groove, deren gleichnamiges Produkt ich ausgesprochen "groovy" finde (woran man mein wahres Alter erahnen kann), wurde von Microsoft geschluckt. Siehe u.a. hier: Microsoft to Acquire Groove Networks.
Das ist nun nichts ausgesprochen Weltbewegendes. Microsoft kauft alle Naselang Firmen auf, um deren Technologien und Kundenstämme zu übernehmen. Ich finde das in diesem Fall aber schon spannend, da Groove derzeit sicherlich die beste "Plattform" für die Entwicklung von Peer-to-Peer-Anwendungen ist (und der Vater von Groove, Ray Ozzie, gleichzeitig auch Vater von "Notes", nun CTO von Microsoft wird).
Das ist deshalb so spannend, weil das P2P-Prinzip meines Erachtens auch abseits der berüchtigten Tauschbörsen enorme Potentiale besitzt - und bislang in den Microsoft-Architekturen nahezu Null Unterstützung bekommt. Und das nicht nur bei Microsoft. Eine einigermaßen robuste Plattform für die Entwicklung eigener, komplexer Applikationen auf P2P Basis, die Groove hinsichtlich Stabilität und Reife nahe käme, ist mir nicht bekannt. Könnte ein ausgesprochen kluger Schachzug von Microsoft sein. Schade nur, dass damit die Chancen für ein Cross-Plattform-Groove wohl endgültig den Bach herunter gehen.
Eine umfassende Analyse dazu findet sich in der deutschen Blogosphäre bei Wolfgang Sommergut. Und ein paar quere Gedanken dazu gibt es bei Mitch Kapor: Microsoft Acquires Groove. Letzterer stellt in Frage, wie wichtig das theoretisch so reizvolle P2P-Prinzip heute noch ist, in Zeiten, da Rechenleistung auf zentralen Servern eine preiswerte Commodity geworden ist.
With the prospect of open source-based server capabilities of all kinds becoming more like the electrical power and distribution system, universally available on demand in whatever amount is needed, a whole class of objections to client-server architectures such as dependence on non-local, unreliable and inconvenient infrastructure diminishes.
Mal sehen. Ich denke, dass die Luft aus dem P2P-Prinzip noch lange nicht raus ist.
Wolfgang hat die Sache ja recht detailliert beschrieben - ich hatte nur die Meldung kurz gebloggt. Aber ich denke, dass P2P erst der Anfang ist. Und BitTorrent ist ja schliesslich auch P2P und wenn es die Industrie nicht niederbügelt aus Angst, dann wird sich mit BitTorrent RSS und anderen Ideen noch ein grosser Wirtschaftszweig entwickeln.
Nicht zu verachten bei Groove find ich auch die Backup-Aspekte, die enormes Potential haben. Das Microsoft das Ganze womöglich in ihr eigenes Portfolio verwurstet ist zwar zu befürchten. Aber das heisst ja nicht, dass es wirklich passieren muss, denn die Möglichkeit, dass das Produkt zu einer Alternative zu den internen Servern werden könnte ist enorm. Und MS hätte auch die Marktmacht um Groove wirklich in Masse bekannt zu machen.
Die Serververfügbarkeits-Idee ist zwar richtig, wenn man sich Google anschaut, aber eigene Rechner für die Kommunikation zu nutzen, wie es bei Groove und P2P möglich ist, hat was faszinierendes und ist sicherlich auch für Sicherheitsfreaks ein stechendes Argument.
PS: danke nochmal für's Treffen. War spannend.
Posted by: Siegfried Hirsch | Monday, 14 March 2005 at 13:16
oh, es lebt. :)
Posted by: Nico | Monday, 14 March 2005 at 13:35
Hach, watt fein dich wieder online zu erleben.
Posted by: Malte Diedrich | Monday, 14 March 2005 at 13:45
ix hab dich auch schon vermisst.
Posted by: ix | Monday, 14 March 2005 at 14:26
Ach is datt schön, wenn man vermisst wird. Irgendwie ...
Posted by: Markus Breuer | Monday, 14 March 2005 at 14:50