Die Wirtschaft von Second Life in der FTD
Vorgestern wollte ich doch fast meinen Augen nicht trauen: selbst in der so betont sachlichen Financial Times Deutschland stand ein Artikel über Second Life, Inflationsangst in der Parallelwelt, der sich nicht über diese virtuelle Welt lustig machte. (Ja, tatsächlich erschien der Artikel mit dem netten Bild hier rechts, das mit dem Thema sehr wenig zu tun hat. Männer ....)
Vor ein paar Wochen wurde in der FTD noch die geistige Gesundheit der Manager von BMG bezweifelt, die darüber nachdachten, dort Konzertsäle und Verkaufsmöglichkeiten zu installieren. Aufreißer des gestrigen Artikels war natürlich wieder Anshe Chung ("der Donald Trump von Second Life") - gäääähn, wann merken die Journalisten, die das Thema Second Life "entdecken", endlich, das "da gibt es tatsächlich jemanden, der mehr als 100.000 EUR im Jahr mit virtuellem Land macht und der wohnt in Deutschland" allmählich soooooo einen Bart hat?
Ansonsten war der Artikel aber interessant. Schwerpunkt war natürlich (wir reden über die Financial Times!) die Wirtschaft von Second Life, insbesondere aktuelle Entwicklungen wie die letzten Preissteigerungen der Betreiberfirma, die interne Geldpolitik etc. Zitiert werden Ailin Gräf (Anshe) und natürlich auch Edward Castranova (Autor des Standardwerkes über Wirtschaft in virtuellen Welten. Sollte m.E. Pflichtlektüre für Wirtschaftsjournalisten werden.) Was mich überrascht hat, war die Aussage
Leitzinsen, das traditionelle Instrument der Zentralbanken, gibt es bislang allerdings nicht. Das könnte sich bald ändern. "Wir verleihen derzeit kein Geld, aber wir werden damit wohl bald anfangen", sagt Rosedale. "Wir werden eine Leitzinsrate von drei Prozent für Privat- und Bankkredite einführen. Dann haben wir den klassischen Hebel zur Kontrolle der Geldmenge wie die Zentralbanken."
Das ist eine logische Entwicklung. Konkrete Aussagen dieser Richtung waren mir aber bislang völlig unbekannt. Spannend. Das ist eigentlich der vorletzte Schritt (vor Einführung einer Bankenaufsicht), der noch fehlte, um aus der Second Life Economy eine richtige Volkswirtschaft zu machen. Die praktischen Umsetzung stelle ich mir aber schwer vor.
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ich muss sagen, bei SL komme ich einfach nicht mehr mit. ich meine, man muss sich schon als blogger häufig mal fragen lassen, wie man es mit F2F Kommunikation nimmt, warum man es vorzieht (so die argumentation) mit menschen über den Bildschirm, sprich über Blogs zu kommunizieren, statt sich in der Kneipe ums Eck mit ihnen zu treffen. SL toppt das ganze qualitativ jetzt noch einmal. Ich habe schlicht und ergreifend noch nicht kapiert, warum Firmen wie etwa Reuthers eine SL-Filiale machen müssen. Geht es denen rein um den Buzz, den dies nach sich zieht oder gibt es dafür sogar "handfeste" Gründe? Würde mich echt interessieren.
Posted by: Ed Wohlfahrt | Thursday, 02 November 2006 at 16:23
Ed: Also ich kann nur für mich sprechen ;-) Aber bei mir ist es die Kreativität, die mich fasziniert hat. Sowohl was ich da selbst machen kann (bauen, scripten, Kleidung, Machinima usw.) aber auch, was andere Leute da so auf die Beine stellen.
Hinzu kommt dann noch die Community. Ich sehe das nicht als Ersatz für die Kneipe, sondern mehr als weiteres Mittel, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. D.h. wiederum nicht, dass man sich dann nicht doch irgendwann mal in Real Life trifft (das habe ich z.B. gerade in San Francisco getan). Daher war wohl auch die Second Life Community Convention so ein Erfolg.
Das dann die Menge der Menschen auch Firmen nach sich zieht, ist wohl klar. Im Moment ist es alledings mehr der Hype des neuen, der hier aktiv ist. Daher zielen die Firmen im Moment wohl eher auf den Marketing-Effekt in Real Life ab als auf den Effekt auf die Second Life-Bewohner.
Naja, und wo was los ist, gibt's auch Presse. Und interessante Themen (auch neue oder zumindest andere) gibt es in solchen neuen "Umwelten" allemal.
(Teilweise geht es denen aber wohl auch um den Marketing-Buzz. Wollen ja dann alle immer die ersten sein ;-) ).
Posted by: Tao Takashi | Wednesday, 22 November 2006 at 22:52