Als ich gestern Abend noch einmal die Inhalte einiger Blog-Beiträge durchblätterte, musste ich einmal wieder an eines meines Lieblingszitate zum Thema Journalismus denken:
Ein guter Journalist macht sich nicht mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten Sache.
Gesagt hat das Hajo Friedrichs, Urgestein des deutschen TV-Journalismus und es beschreibt das Ethos der alten (guten) Journalisten kompakt und ziemlich gut. In diesem einen Satz steckt so viel: Objektivität, Ausgewogenheit, Fairness, ergebnisoffene Berichterstattung, Respekt ... Das hat er schön gesagt, der leider schon lang verstorbene Hajo!
Im "klassischen" (wenn es denn so etwas schon gibt) Online-Journalismus wäre ein solcher Anspruch geradezu absurd. Die meisten Autoren berichten bewusst einseitig, haben eine Meinung, gelegentlich sogar eine Agenda, eine "Mission" und lassen die sehr offen erkennen. Ausgewogenheit erwartet man als Leser auch gar nicht mehr. Manchmal liest sich das sich für eine alten Sack wie mich schon komisch. Selbst "professionelle" Journalisten ignorieren alles, was sie zu diesem Ethos einmal gelernt haben, sobald sie nicht mehr fürs Papier schreiben sondern für ein Blog. :)
Ich will nun auf keinen Fall behaupten, dass das Friedrich'sche Motto vor dem Aufkommen des Web (2.0) von vielen Journalisten eingehalten worden wäre. :) Das wäre gar zu naiv. Tatsächlich ist es ja auch ein bisschen viel verlangt von einem Menschen, die persönlichen Ansichten und Bewertungen außen vor zu lassen, wenn er über Geschehnisse berichtet. Im Boulevard-Journalismus war das nie wirklich ein Thema und auch z.B. Spiegel-Autoren hatten meines Erachtens oft viel mehr Freude daran, eine Person, Institution oder Firma elegant in die Pfanne zu hauen, als wirklich dem journalistischen Auftrag der Berichterstattung nachzukommen. Ehrlich gesagt, liest sich das auch süffiger und wird entsprechend vom Publikum goutiert. Dieser Tonfall des scheinbar investigativen Journalismus hat sich in den 80er und 90er Jahren dann massiv im Print-Bereich und im Fernsehen ausgebreitet. Dabei werden noch die Rituale des alten Journalismus eingehalten (Hinterfragen, beide Seiten zu Wort kommen lassen) aber in sinnentleerter und manchmal geradezu menschenverachtender Form.
Vielleicht war es deshalb auch von mir ein bisschen unfair, diesen Wandel dem Aufkommen des Web zuzuordnen. Die Entwicklung hat früher begonnen ... Aber ich denke, die totale Subjektivierung der Berichterstattung ist mit Blogs und dem heutigen Social Web tatsächlich akzeptiert und Standard geworden. Ist so. Und ich muss - und kann - damit leben. Manchmal wünsche ich mir trotzdem ein paar Hajo Friedrichse auch im Web :)
Posted via email from _notizen
Ich freue mich, dass Du wieder da bist. ;)
Posted by: Gerrit Eicker | Monday, 30 November 2009 at 17:51
Ach ... ich war doch nie weg ... nur woanders! ;-)
Posted by: Markus Breuer | Tuesday, 01 December 2009 at 07:48